For all the loving people

Ich möchte dich lieben mit der ganzen Kraft eines Menschen,
mit allen Widersprüchen des Erdenlebens,
ernst wie eine Hyazinthenblüte, traurig wie sengender Wüstensand, mit der Freude der Kinder;

deinem Blick möchte ich aus Weltall und Sternen begegnen,
aus grünen Seen,Tümpeln, Wäldern und aus heilenden Weiden;
ich will mich mit dir in der Welt bewegen,
nicht reziprok, ungleich Mann und Frau,
ungleich bedürftig, ungleich lebendig,
ohne milchmädchenhafte, zu Nullsummen gerinnende Formeln beschworener Poesiealbenhaftigkeit seligen Gleichseins.

Niemals will ich dich lieben nur scheinbar lebendig,
aber mich an den Ursprung verschenkend wie an dich will ich lieben, die Nächte voll rauschender Engelsfĺügel, die Tage
des Himmels, und beide von den Untaten der Menschenwerkforderungen am Leben befreit.

Das Leben will ich wagen mit dir
in seiner Lust an Toleranz und mutiger Aufgabe,
Liebe dir geben und Gottes Liebe erwarten, tägliche Freude
des Geistes, Freude seiner Nichtichstille
an diesem unbändigen Schmetterlingsschlag eines Menschenpaars, von dem er selbst
nicht mehr Abschied nehmen mag,
so innig und offen sie das All um sich bereichern
und erfreun.

Erfüllte Liebe

Vorhin saß ich mit dem Rücken zur Stadt am Ozean,
sah hinaus auf das unendlich gleiche Meer,
sah hinein in das unendlich Gleiche. Hörte das
Anrollen und Brechen der Wellen. Immer
wieder. Da hielt die Zeit an in dieser ewigsten
Bewegung auf der Erde und alle Fragen hatten
ein Ende. Jede Frage war ausgelöscht, keine könnte
je wieder gestellt werden. Für diesen unendlichen
Raum eines ozeanischen Augenblicks, der kein Gefühl
mehr kennt und es so auch nicht fürchtet – und der
vielleicht die größte Liebe ist, die ohne Ausnahmen
und ohne jede Habsucht.

Dann drehte ich mich um. Bunte Busse, Motorräder, auf
denen sich zwei etwas zuschreien gegen den Fahrtwind,
Stadtmauern der Eroberer, Fußballtore davor, ein paar
Wortfetzen von Dahingelagerten. Das menschliche Leben
war unmittelbar zurückgekehrt zu mir. Und ich war wieder
sein Teil. Oben am Himmel flog einer der Vögel, wie sie in
der Statue zu sehen sind. Er flog allein. Ich will niemals
alleine sein mit den Menschen, außer um mich auszuruhen.
Sonst will ich immer mit ihnen sein. So unklar fast alles mit
ihnen ist, erlebe ich ihren liebenden Herzschlag und bin
dankbar für ihre Gegenwart.

Einmal aber war ich mit ihr und dem Universum alleine.
Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie die Liebe dann ist.

For a 44

Es ist ein erfrischendes Gefühl, um ein Uhr nachts
durch die Stadt zu gondeln, den richtigen Sender
im Radio. Die jungen Spunde rasen an mir
vorbei und ich sehe in den Nachthimmel,
wo die paar Sterne, die die Stadt über sich zulässt, funkeln.
Und das Funkeln da oben erzählt mir von deinen drei
Kindern, dem Mädchen, den Jungen. Und den Männern, den Frauen,
dem ganzen Netz, das um dich in der Welt entstanden ist. Egal,
ob du den noch liebst oder die niemals, oder ob der
deinen Sohn von dem nicht lieben kann oder warum auch immer
einen das Alter packt und erwachsene Männer die Kinder
von anderen erwachsenen Männern nicht lieben können
und vergessen, dass ihre Kinder deren Geschwister sind.
Und warum sie vergessen, dass sie mit einer Frau wie dir das Leben
in die Welt gebracht haben und nicht ahnen, wieviel
Lieben sie spenden könnten, weil sie ein enges
Herz haben oder einen ungenügenden Verstand. Aber das
muss dich nicht kümmern, dein Herz wird jeden Morgen
wieder weit sein, auch weil ich da bin und er, der Unbekannte
mit einer Flasche Rotwein und eine lesbische Freundin, die
heißt wie deine Schwester, und ihr Sohn, der junge Schriftsteller,
und deine wilde Nichte, mit der ich am Strand gespielt habe,
die jetzt noch viel älteren Männern, die die Aufsicht über Museen
führen, den Kopf verdreht und die Gedanken betört und dir auch,
wenn sie davon erzählt, und der Tod und die Lust und das weite Land
da drüber in Tucson und die roten Berge in Utah und dein Glück,
auf dieser Erde geboren zu sein und deine erste Liebe und deine
kommende und du nachts in der Wolfsstunde. Du hast die Welt
an ihren Ort gesetzt. Eine wundervolle Welt. Und niemand
von uns wird aufgeben, niemand von uns wird nach dir
eine ganze Welt alleine vor sich sehen und sie mit Worten
erobern wollen, die es nicht wert sind. Aber mit winzigen Taten,
die große Taten sind. Mit Erinnerungen in den Herzen derer,
denen sie angedeihen. Und liebevolle Taten im Licht der Welt,
die sich so leicht verdunkelt.

love J., bp 30.10.2014

Roter Heimweg

Schwer zu sagen, wo ich beginnen kann.
Die Worte laufen mir wie verbrauchtes Öl
durch den Kopf. Hass und Nutzlosigkeit und
Angeberei. Alles nicht meine Werte.
Viele denken, es seien ewige Wellen,
in denen wir uns immer wieder finden.
Ich glaube das nicht. Ich kann auch nicht das
Gegenteil beweisen. Obwohl ich es lebe und
obwohl ich ein Dutzend oder so lautere Menschen
kenne, die auch anders drauf sind. Sie sagen, auf
sie hört keiner. Macht euch nichts draus.
Gebt nicht auf, wenn es um euer Leben geht.
Hört nicht auf zu denken. Auch wenn es leicht ist.
Kein Egoist wird die Massen bewegen.
Und den erkennt ihr an seiner Eitelkeit.
Es ist ein schmerzvoller Moment. Er wird euch
wehtun. Es ist ein blöder Blick in den Spiegel.
Vielleicht ohne Versteck. Aber nach so vielen
Jahren wird jeder auch den überleben. Und
sich erheben auf ein Neues.

bp 9.9.2014

Vollmond über Berlin

Bild

 

Ist nur ein Fleck auf der Erde, Berlin.

Ist aber der Fleck, an dem ich sitze und nachdenke.

Um ein bisschen was zu bewegen.

Um ein bisschen Stress abzubauen.

Um in zwei, drei Augenpaare zu sehen und zu merken:

Geht gut, sich auf was Kommendes zu freuen.

 

Arbeit, Leute, machen wir uns an die Arbeit.

Drehen wir den Spieß um und sehen wir uns dabei an,

wie es heute so funktioniert. Kleines w, große Welt.

Müssen nicht glauben, Träume sind Schäume.

Ich habe heute Nacht wahrhaftig geträumt,

1000 Kinder empfangen mich mit großer Freude.

 

Andere Welt, Mann. Neue Gedanken. Frau auch, Du langsamer

Denker. Welt, auf der Jubel für neue Gedanken herrscht.

Großer Jubel. Echte Freude. Kannst Du mir glauben, traumverlorener

Ungläubiger. Möglich ist alles. Beginnen musst

Du es trotzdem. Willste? Musst es schon wollen,

mein langsamer Träumer. Sonst passiert nichts.

 

Mein langsamer Träumer. Ist eine bewegliche Welt da

Draußen. Eine bewegliche Welt, Du.

Deine Welt auch, mein Träumer.

Ich hör in ihrer Stimme diese Stadt (Song)

 

 

Ich hör in ihrer Stimme diese Stadt,

ich hör das Morgengrauen darin auf Hausfassaden.

Ich hör die Tauben scharren, liege lange wach,

und hör ihr Gurren an den roten Ziegeldächern schlagen.

 

Ich seh in ihrem wilden Haar die Sonne steigen,

am Lietzensee, licht, in den hellen Weiden.

Ich seh den Morgen, wenn sie atmet,

schweigen.

 

Auf diesen Lippen lese ich dann die Nacht,

den Schimmer in der Luft wie ferne Sterne.

Und blaue kühle Schatten liegen dort,

und ich denk in der Luft so liebend gerne:

 

Läg ich an diesen Lippen meiner Göttin wach

und hörte sie von dieser Stadt mir flüstern…

Und hört sie flüstern auch vielleicht dann, ach,

dass sie in dieser Nacht noch keinen küsste.

 

Ich hör in ihrer Stimme diese Stadt,

ich hör das Morgengrauen darin auf Hausfassaden.

Ich hör die Tauben scharren, häng dem Traume nach,

und hör das Gurren an den roten Ziegeldächern schlagen.

 

Ich hör die Lippen schweigen in der Nacht,

der Schimmer ihrer zarten Haut wie ferne Sterne.

Wir gern läg ich an diesen Lippen wach

und hörte ihre Stimme nah und diese Stadt von ferne.

 

 

 

Weder gestern, noch morgen

Am Tisch stehen Russen, Jahrgang 74

bis 84, die Whisky trinken ohne Wirkung.

Wir essen rohen Lachs. Die Leiterin

der Kardiologie hat einen langen blonden

Pony und gute Gedanken. Tanja,

hinter dem weiß bezogenen Tisch, vermisst

ihre Stiefel. Ines wiegt wieder 10 Kilo

mehr als vor einem Jahr und lacht traurig,

Dafür bleiben die Hong Kong Chinesen

ohne gültigen Pass cool. Sie kennen die Lage.

Warum nur sehne ich mich nach

den nachtgrünen Straßen, nach

Leere und düsteren Schaufenstern voller

verschleierter Erinnerungen?

 

Nach Liebe sehne ich mich. So, wie die Augen

der Frauen sich nach mir sehnen. Nach einem

unabhängigen Mann. Nach einem freien Berg in

der Landschaft. Von dessen Gipfel sie das weite

Land sehen werden. Den Himmel und die Krümmung

der Erde. Den Horizont wie eine Schwinge. Eine

einladende Bewegung in das vermisste

Land ihrer Menschlichkeit. In ihren Wunsch

vollendeten Erlebens.

 

Oder einfach nur ehrlicher Worte.

Von denen keins das Gehirn zerbeisst.

Keins den kommenden Morgen

in aspirinverhängte Schmerzen auflöst.

Keins gewohnt ist. Keins klagt.

 

Wir sind goldene Drachen und goldene

Muscheln. Armbänder aus roten Perlen

und silberne Schoten. Grüne Erbsen.

Wir denken und empfinden und geben wieder

die ganzen wachen Stunden lang. Das

sind wir. Und vielleicht sind wir mehr.

 

Aber dieses Mehr wagen wir nur selten.

Oder wir wagen es kaum. Oder wir

wagen es nicht.

 

Oder wir wagen es.

Mann

Mann, ich tanze, tief, tief, tief in der Nacht,

beat, beat, beat – Du sollst

niemanden auf der Welt retten, wirklich niemanden,

keine hübsche Stimme, kein blondes Herz.

Mann, ich tanze, tief , tief , tief,

Du sollst niemanden retten, es sei denn,

es ist dein bester Freund (Mann),

und ihr habt einander eure Liebe

geschworen (Geschworen. Liebe geschworen.

Eiskalt, Mann, Liebe geschworen, Freund, Mann)

Ja, Mann. Dein bester Freund, dem deine

Gesellschaft wichtiger ist als alles. Alles, Mann.

Alles! Da wird dir schlecht, was? Oho!

Es gibt kein Maß außer der Freundschaft, Mann.

Du wird sein Freund sein und Du

wirst einsam sein in der Liebe, Mann.

Einsam. Liebe. Mann. Einsam.

 

bp 20.März 2013

In mich hinein

Mein Vater ist krank. Mitte siebzig. Er sitzt den ganzen Tag im Sessel undkann sich nicht mehr freuen. Ein Morgen gibt es nicht für ihn. Vielleicht stirbt er so. Vielleicht schafft er es und sieht die Sonne noch einmal.

Mein Freund H. hat vor drei Tagen nach drei Stunden Streit seinen Kopf gegen die Wand geschlagen. Er weiß jetzt dass seine Ehe ihr Ende erreicht hat. „Sie hasst dich übrigens“, hat er mir von seiner Frau erzählt. „Sie hat gesagt, mit Dir wäre ich schlecht beraten. Du seist ein Drecksfreund.“

Wenn ich könnte, würde ich ihren Hass sehr gerne löschen. Aber ich kann es nicht. An den Ästen vor dem Fenster hängen Regentropfen. Sie sind durchsichtig und fangen und bündeln das graue Februarlicht unheimlich hell.

Mein Freund D. umgibt sich als selbsternannter Visionär mit Zombies, die alle nur ein Wort sagen können: Ja. In seiner Wohnung kriechen die Ja-sager-Maden mit bleichen Gesichtern umher.

Mein Freund Z. ist nach vielen Jahren Karriere arbeitslos. An Geld fehlt es ihm noch nicht, weil er eine Abfindung bekommen hat. Er hat zwei Söhne und eine zwölf Jahre jüngere Frau, die ihn verlassen will.

Ich liebe meinen Sohn. Er schielt und spricht so schnell, dass man kaum noch Konsonanten hört: „I-ahh-uhh-ohh-mhmmm.“ Aber wenn ich zur Arbeit gehe, haben wir immer miteinander gespielt und er küsst meinen Oberschenkel, weil er mit seiner Umarmung nicht höher hinaufreicht. Sein dünnes blondes Haar über der Brille ist wie tausend Harfenseiten. Mein zweiter Sohn hat einen Kahlschädel und sieht aus wie ein völlig kaputter Nazi. Aber wenn Babies lächeln, wendet sich jeder Planet wieder ins Licht.

Mit tiefem Schmerz erwache ich aus der Nacht. Zu wenig Trost erwartet mich auf dieser Welt. Ich halte weiter nichts davon, dass wir, dumm und gierig, unsere Wurzeln vergiften sollen, um behaupten zu können, wir gingen mit der Zeit oder seien ihr sogar voraus.

Ich denke an Pachamama, die mich lehrt, dass die Zukunft ein Wiederholen der Vergangenheit ist, die Idee der Geburt und des Weiterbestehens aus der Vergangenheit stammen und die Wiederkehr nicht aus der Zukunft herrührt.

Ich verfluche die Enge der Gehirne. Aber ich gebe zu, es ist schwer, daraus einen Ausweg zu finden. Wer sich in einen Nachen setzt, um die Wogen der Zeit zu bereisen, sollte den Himmel als Segel setzen können, das Herz mit Sturm laden und den Fuß vertrauensvoll auf die Rücken von tobenden Ungeheuern setzen.

„Ich bin von so viel Leid umgeben, ich wünsche mir dreitausend Jahre Regen.“ Das ist der Scherzreim des Eidechsenmannes. In Wahrheit tut er nichts lieber, als in der Sonne zu liegen. Sein Geheimnis ist, er kann alles sagen. Wenn er es nicht meint, musst du darüber lachen. Aber erkennen, wie es sich verhält, musst du wirklich alleine.

bp 4.2.2013

Felsige Seele

In einem Dazwischen, das ich nicht zu benennen weiß,

zwischen grollenden Wogen

und keiner Ahnung der Zukunft; in einem Meer

von das Licht verwirrenden Schattengestalten,

in materieller Abhängigkeit, voller Verachtung

für das menschliche Leben in seinen perfiden Ausprägungen

und die Kurzsichtigkeit jeder neuen Generation. Müde des

Blabla und seiner Wiederholung,

werde ich mich doch niemals ergeben,

sondern lieber die steinerne Uferkante sein,

an der sich das Meer bricht zum größten der Dialoge.