Hamburg und damals

Kremer war weg und lebte woanders

und Da Silva war weg und niemand konnte

sagen, wo. Und auch das Haus hatte sich

verändert. An der Tür stand jetzt nur noch

ein Name und ein Firmenname dazu,

schwarz, auf einer goldenen Platte.

Ich sah die Fassade hoch. Das Morgenlicht

glänzte auf den nassen Schieferplatten und

die Fenster trugen inzwischen Gitter. Es sah

nicht gerade aus wie ein Knast, aber rein

sollte da niemand und niemand sollte was

rausholen können. Da war ich die Treppe

runtergestürzt, damals, als ich die Jamaikanerin

heiraten wollte und Kremer das Portemonnaie

ausgeräumt hatte, als er nach unserem letzten

Schachspiel im Bett lag und schnarchte. Die

Treppe runter war ich gegen Da Silva gerannt,

aber der hatte bloß den Kopf geschüttelt und

nichts gesagt. Der Jamaikanerin hatte ich das Geld

gegeben, aber geheiratet hatte ich sie nicht.

Ich hatte nie geheiratet. Und auch zu Kremer

war ich nicht mehr gekommen in diesem Haus,

weil es mich woanders hin verschlug und ihn

dann auch und wir uns erst viel später ganz woanders

wiedertrafen. Und Schach haben wir auch nicht wieder

gespielt.

BP 8.7.2015

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