Kurz vor der Abreise

Es stimmt schon, wir haben Gesetze

dazu, was passiert, wenn ein Kerl

einem anderen eine aufs Maul gibt

und auch für prügelnden Väter und

Mütter, die Ohrschellen verteilen, gibt es Gesetze.

Selbst für Männer, die ihre Frauen schlagen,

springt manchmal noch eine Strafe hinaus

oder etwas in der Art. Aber was wir nicht

haben, sind Gesetze gegen den Psychoterror.

Terror von Lehrern gegen Kinder

und Chefs gegen ihre Angestellten

und karrieregeilen Möchtegernen und

genau solchen einsamen Zombies,

die sich die Welt Untertan machen wollen

gegen alles, was ihnen im Weg steht,

oder Professoren, die ihre Mitarbeiter

mobben oder abgehalfterte Schlampen

im Mittelbau, die nichts tun tagein tagaus

als ein mieses Teile und Herrsche,

oder falsche Schlangen, die ihre verlogenen

Gleichstellungsnummern wie blauäugige Krokodile

mit angeklebten Wimpern dick, dick, dick

und zick, zick, zick auftragen, um ihre

Konkurrentinnen abzuschießen.

Wir haben auch keine Gesetze gegen

jünglingshafte Intriganten mit kleinem

Schmärbauch, die mit der Presse kungeln, um

sich den Arsch mit Blattgold einreiben zu

lassen oder gegen Journalisten, die schreiben,

was ihnen so ein Blattgoldwischer diktiert.

So, wie wir keine Gesetze haben gegen den

Mob, den Mob der Politiker und Steuerberater, Banker,

fluchende Spaziergänger, Typen mit zu viel Geld

oder das Fernsehen und die Werbung. Wir sind

machtlos gegen den Geist. Alles, was uns bleibt,

ist selber ein Stück weit zu denken und dann ist es schwer

dafür Worte zu finden, von so vielen Worten

wie wir umschwirrt werden. Sie hämmern auf uns

ein, streicheln unsere Schläfen, winseln und kläffen

und betören und reißen an unseren Ohren. Das

Sonnenlicht treibt sie nicht weg, der Regen wäscht sie

nicht fort, selbst im Schlaf kommen sie immer wieder.

Aber uns bleibt keine andere Chance, als

nach ihnen zu suchen, irgendwo da in uns, irgendwo

da, im Herz oder den Nieren oder der Leber

oder wo das Gift sonst noch hinträufelt, irgendwo

da, wo das Leben gegen das Gift aufsteht

in der Tiefe unserer einsamen Organe.

BP Juni 2015

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