Was so passiert ist

 

Gestern stand in der Einfahrt plötzlich dieser

riesige Müllcontainer, als wäre irgendwo hinter

dem Haus über Nacht eine Baustelle

aufgemacht worden. Als ich vorbei ging,

leuchtete es in dem Ding bunt auf. Um besser

zu sehen, stieg ich auf das Mäuerchen

daneben, das die Einfahrt runterführt und

Fußgänger von Autos trennt, obwohl ich hier

noch nie ein Auto gesehen habe.

Er lag voll mit zerbrochener und in dicken

Bündeln weggeworfener Kunst von Kindern.

Tonköpfe, die mich anlächelten wie zahnlose

Cäsaren lagen zusammen mit alten Mütterchen

und Hunderten kleiner Vasen. Dazwischen

erhoben sich Indianerforts aus Zweigen, bunte

Häuser, jede Menge noch buntere Bilder, eins

über dem anderen und manchmal waren die

dicken Stapel etwas verrückt, sodass eine ganz

neue Welt unter einer anderen ganz neuen Welt

um die Ecke lugte. Und dazu eine große Burg

aus Keramik mit schillernden glasierten Mauern,

und viele, viele Schneckenhäuser aus Ton in Türkis

oder einem warmen Braun oder einem cremigen Weiß,

das im Licht da im Müllcontainer schimmerte wie

Sahne und Schnee aus Karamell. Es sah, als hätte ein

gelangweilter Archäologe seine besten Fundstücke

in die Tonne gekippt. Ich sah es mir an, ich konnte

den Blick kaum lösen. Aber dann ging ich weiter in

meinen Tag, zu Fuß  wie alle hier, vorbei an einem

riesigen Müllcontainer mit unseren Schätzen.

 

 

BP / Juni 2015

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